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  • love my family

    abschiednehmen von meinen schwestern

    umarmungen, beileidsbeurkundungen, tränen auf meinen wange, die nicht die meinen sind. er stützt mich, denn ich schaffe es nicht mich auf den beinen zu halten. und doch steh ich hier. umgeben von schneuzen, schniefen und leisem wimmern. an diesem tag fielen nicht nur eiskristalle vom himmel, nein sie verschmolzen mit salzigen tränen auf bebenden wangen. an dem tag an dem ich meine älteste schwester beerdigen musste. 

    ich weiß nicht, wie das passieren konnte. wir waren zu dritt. lebten unser leben. erzählten geschichten. träumten von zukunft, plänen und wünschen. waren eine familie, wie sie im buche steht. durchzogen von streit, versöhnung, lachen, tränen. sowohl des glücks als auch des leids. hielten zusammen wenns drauf ankam. feierten jeden anlass. freuten uns für den anderen. kritisierten wenns nötig war. halfen wo auch immer hilfe angebracht war. drei schwestern, unterschiedlicher sie nicht sein konnten. nichts desto trotz vereint durch blut und liebe. und doch steh ich hier. plötzlich allein.

    ich hoffe ihr liebt mich weiterhin. von dort aus, wo ihr jetzt seid. werft ab und zu bitte ein auge auf mich. ich habe angst mich zu verrennen. in dinge, menschen und emotionen. mir fehlen arme, die auffangen. augen, die strahlen. stimmen, die mahnen. ich weiß nicht ob ich mamas herz so ausfüllen kann, wie ihr beiden es geschafft habt. daddy vermag es nicht in worte zu packen aber ich spüre wie ihr ihm beide fehlt. ich lese es in seinen tränen. und doch steh ich hier. fange ihren schmerz auf um nicht selbst darin zu ertrinken. 

    an diesem tag an dem ich dir gedenken und dir die letzte ehre erweisen muss, setzt alles in mir auf wegrennen. und doch steh ich hier. die linke hand ruhend auf daddys schulter. die rechte an mamas wange. der mann in schwarz liest sieben zeilen deines lebens vor. er hat doch gar keine ahnung. vor zwei jahren sagte ein anderer pfarrer dass du leben wolltest. und doch steh ich hier, wieder einmal im trauergewand.  

    ich soll nun auf mich aufpassen, sagen sie mir in ihrem kummer. ich wär schließlich die letzte, die von uns dreien geblieben ist. das wollte ich nie. ich habe eine andere zukunft vorhergesehen! und doch steh ich hier. eine stimme von vielen. einstimmend zum flehenden chor. flehend nach erlösung von all diesem schmerz. egoistische menschen die deine neue freiheit nicht verstehen. und doch steh ich hier, heulend vor wut. 

    ihr wolltet beide nicht weg, das weiß ich sehr wohl. ihr wolltet leben. lieben und geben. und doch steh ich hier. beraubt an lebenszeit mit euch. euch beiden gütigen, liebevollen, weisen, fröhlichen frauen. müttern. geliebten. töchtern. schwestern. wem soll ich denn nun meine ängste anvertrauen. mein glück. meine freude. meinen reichtum. meine probleme. meine liebe. ich vergehe in fassungslosigkeit. und doch steh ich hier. breche in panik aus. beherrscht durch unkontrollierte emotionen. 

    es ist zu spät. angst schlich sich ein. raubte mir die letzten worte an euch. so kenne ich dich überhaupt nicht große schwester. das bist nicht du. wars das? sind das meine letzten erinnerungen an dich? ich bin die stärkste frau, die er kennt, sagte er mir. ich wünschte es wäre wahr. denn hinter dem vorhang der liebe, zeriss eine welt in millionen fetzen. feige, das bin ich. hab mich hinter den kilometern versteckt. hinter allem möglichen. ahnend, dass du die letzten schritte als mensch auf erden schreitest. und doch steh ich hier. drücke einen letzten kuss auf deine stirn. bevor dein körper deine seele aushaucht. bevor die flammen deine marterielle anwesenheit auslöschen. 

    und nun steh ich wieder einmal hier. hoffend auf ein zeichen. dass es dir besser geht. hoffend auf dein verständnis für unser aller trauer. hoffend auf ein wiedersehen. hoffend auf sinnhaftigkeit in allem was passiert. ich steh ganz alleine hier, blicke zu den sternen und spüre, dich. wilde, unbändige freiheit mit roten haaren zu meiner linken. und dich. gütige, selbstlosigkeit mit barmherzigen augen zu meiner rechten.

    ich liebe euch meine, für immer in meinem herzen lebenen, älteren schwestern.

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